Zeiterfassung

Zeiterfassungs-App fürs Handwerk: Was sie können muss

Geschrieben von | Apr 28, 2026 1:06:33 PM
Inhaltsverzeichnis

 

Warum Zeiterfassung im Handwerk Pflicht ist

Das Bundesarbeitsgericht hat im September 2022 entschieden: Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten zu erfassen, vollständig und manipulationssicher (BAG, Az. 1 ABR 22/21). Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Stundenzettel auf Papier reichen künftig nicht mehr aus.

 

Hinzu kommt die EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/88/EG), die Mitgliedsstaaten verpflichtet, ein objektives, verlässliches und zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung einzuführen. Das deutsche Umsetzungsgesetz steht noch aus , aber die Pflicht gilt faktisch bereits durch das BAG-Urteil.

Für Handwerksbetriebe kommt der praktische Druck hinzu: Stundenzettel auf Papier gehen verloren, werden unleserlich ausgefüllt oder landen erst Wochen später im Büro. Das kostet Geld, direkt bei der Abrechnung und indirekt durch Nachfragen und Fehler.

Was eine gute App leisten muss

Eine Zeiterfassungs-App fürs Handwerk steht vor Bedingungen, die eine normale Büro-Software nicht kennt:

  • Schlechtes WLAN oder gar kein Netz auf der Baustelle
  • Wechselnde Einsatzorte: heute Mitte, morgen Außenbezirk
  • Verschiedene Geräte: Android, iOS, ältere Smartphones
  • Mitarbeitende ohne Technikaffinität: Die App muss in 30 Sekunden erklärbar sein
  • Direkter Weg zur Abrechnung: Stunden müssen ohne Umweg in Rechnungen fließen

Wer eine App kauft, die diese Punkte nicht erfüllt, kauft das falsche Werkzeug.

Die 7 wichtigsten Funktionen im Detail

1. Offline-Betrieb

Auf vielen Baustellen gibt es kein stabiles Netz. Eine App, die ohne Verbindung nicht funktioniert, ist auf der Baustelle wertlos. Die Zeiterfassung muss lokal auf dem Gerät laufen und sich später synchronisieren, sobald eine Verbindung besteht.

Frage beim Anbieter: Funktioniert die App ohne Internetverbindung? Werden Zeiten lokal gespeichert?

2. GPS-Erfassung

GPS zeigt, wann jemand wo gearbeitet hat. Das schützt vor Manipulationen, in beide Richtungen: Mitarbeitende, die früher stempeln, als sie auf der Baustelle sind, fallen auf. Genauso Zeiten, die nicht stimmen.

Gleichzeitig macht GPS die Stundenerfassung glaubwürdiger gegenüber dem Kunden. Wer nachweisen kann, dass das Team um 7:30 Uhr auf der Baustelle war und um 16:15 Uhr gegangen ist, hat im Streitfall bessere Karten.

3. Projektzuordnung

Stunden müssen nicht nur gespeichert werden, sie müssen dem richtigen Auftrag zugeordnet sein. Eine App ohne Projektzuordnung liefert am Ende des Tages nur eine Gesamtsumme. Das nützt bei der Abrechnung nichts.

Die App muss ermöglichen: Mitarbeitender wählt beim Einstempeln den Auftrag aus, trägt optional eine kurze Notiz ein (Material, Besonderheit) und stempelt aus.

4. Genehmigungsworkflow

Wenn Mitarbeitende Zeiten selbst eintragen, braucht der Chef eine Möglichkeit, diese zu prüfen und freizugeben, oder zu korrigieren. Ohne Genehmigungsschritt landen falsche Zeiten direkt in der Abrechnung.

5. Direkter Export in die Abrechnung

Stunden, die separat in ein Rechnungsprogramm übertragen werden müssen, werden zu Fehlerquellen. Die beste App übergibt die erfassten Stunden direkt in die Auftragsabrechnung, ohne CSV-Export, ohne manuelle Übertragung.

6. Übersicht für Inhaber und Teamleiter

Der Chef muss sehen: Wer hat heute wie viele Stunden auf welchem Auftrag gearbeitet? Welche Aufträge laufen gerade? Gibt es Stunden, die noch nicht genehmigt sind?

Eine gute App liefert diese Übersicht in Echtzeit, auf Smartphone und Desktop.

7. Einfache Bedienung

Die beste Zeiterfassung nützt nichts, wenn das Team sie nicht benutzt. Die App muss mit drei Taps zu bedienen sein: Auftrag wählen, einstempeln, ausstempeln. Alles andere ist zu viel.

 

Was viele Apps nicht können, aber sollten

Aufmaß und Material erfassen: Wer auf der Baustelle Stunden erfasst, will oft auch gleich Material und Aufmaß notieren. Viele reine Zeiterfassungs-Apps bieten das nicht.

Fotos anhängen: Ein Bild von der Baustelle, vor und nach der Arbeit, schützt bei Streitigkeiten. Wenige Apps ermöglichen das direkt bei der Zeiterfassung.

Krankmeldung und Urlaub: Abwesenheiten gehören zur Zeiterfassung. Wer dafür ein separates System braucht, hat doppelten Aufwand.

Auswertung nach Mitarbeitendem und Projekt: Am Monatsende muss auf einen Blick erkennbar sein: Wie viele Stunden hat wer auf welchem Projekt gearbeitet? Diese Auswertung fehlt in vielen günstigen Apps.

Woran man schlechte Apps erkennt

Kein Offline-Modus: Sobald kein Netz da ist, funktioniert die App nicht. Keine Projektzuordnung: Stunden werden nur als Gesamtsumme erfasst. Daten nur als CSV-Export: Keine Integration in die Abrechnung. Kompliziertes Onboarding: Das Team braucht eine Schulung, um die App zu benutzen. Separate Abos für jeden Mitarbeitenden: Kosten explodieren mit der Teamgröße.

So wählt man die richtige App aus

Checkliste für die Entscheidung:

  • Funktioniert die App ohne Internet? → Demo testen, Netz ausschalten, einstempeln
  • Können Stunden Projekten zugeordnet werden? → Testauftrag anlegen
  • Fließen Stunden automatisch in die Abrechnung? → Integration prüfen
  • Kann ich als Chef Zeiten in Echtzeit sehen? → Testphase mit echten Mitarbeitenden
  • Wie schnell versteht jemand die App ohne Erklärung? → Einem Mitarbeitenden das Handy geben und schauen

Eine kostenlose Testphase sollte mindestens zwei Wochen dauern, so lange, dass das Team die App im echten Alltag nutzt.

 

FAQ

 

Quellen:

  • Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 13. September 2022, Az. 1 ABR 22/21
  • EU-Arbeitszeitrichtlinie 2003/88/EG
  • BAG-Pressemitteilung Nr. 34/22: bundesarbeitsgericht.de