Inhalt
Die meisten Zeiterfassungs-Apps entstanden für Bürojobs: fester Schreibtisch, stabiles WLAN, PC. Handwerksbetriebe arbeiten unter anderen Bedingungen.
|
Alltag im Handwerk |
Folge für die Zeiterfassung |
|---|---|
|
80–90% der Arbeitszeit auf Baustellen (EP, 2023) |
App muss offline funktionieren |
|
Wechselnde Baustellen, kein fester Arbeitsort |
Auftragszuordnung direkt vor Ort nötig |
|
Mitarbeitende ohne Büroerfahrung |
Bedienung in unter zwei Minuten erlernbar |
|
Fahrt direkt von zuhause zur Baustelle |
Fahrzeiten müssen separat erfasst werden |
|
Kein Betriebsrat in Kleinstbetrieben |
GPS-Nutzung unkompliziert einführbar |
Stundenzettel auf Papier scheitern täglich: Zettel gehen verloren, das Team trägt Stunden abends aus dem Gedächtnis ein, Übertragungsfehler häufen sich. Am Ende des Monats fehlen Stunden in der Rechnung – nicht weil weniger gearbeitet wurde, sondern weil die Erfassung zu spät und zu ungenau war.
Hier sind die sieben Funktionen, die auf der Baustelle den Unterschied machen:
|
Funktion |
Warum entscheidend |
|---|---|
|
Offline-Betrieb |
Baustellen haben oft keinen Empfang. Die App speichert Stunden lokal und synchronisiert, sobald Verbindung besteht. |
|
Ein-Tipp-Erfassung |
Start und Stopp per Smartphone, ohne Anleitung. Der Geselle hat keine Zeit für Menüs. |
|
Auftragszuordnung direkt vor Ort |
Stunden landen auf dem richtigen Projekt – das Büro sortiert nichts mehr nach. |
|
GPS-Erkennung (optional) |
Die App erkennt, wann Mitarbeitende die Baustelle betreten, und startet die Zeiterfassung automatisch. |
|
Fahrzeiterfassung |
Fahrten zwischen Baustellen sind Arbeitszeit. Die App ordnet sie dem richtigen Auftrag zu. |
|
Sprach- oder Tablet-Eingabe |
Materialien und Zeiten per Sprachbefehl – wenn die Hände voll sind. |
|
Echtzeit-Auswertung für die Zentrale |
Du siehst sofort, wer auf welcher Baustelle arbeitet. Die Monatsauswertung fließt direkt in die Lohnabrechnung. |
Felix Drawer, Monteur im Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik bei Betz Technik: „Ist der Auftrag erledigt, müssen wir keine Stundenzettel mehr schreiben, sondern erfassen die Arbeitszeiten und verwendeten Materialien digital über das Tablet. Das funktioniert ganz einfach über Spracheingabe." (Quelle: Elektropraktiker, 2025)
Nach der Einführung der mobilen Apps bei Betz Technik sind Papierprozesse nahezu vollständig weggefallen. Stunden landen direkt in der Abrechnung – kein nochmaliges Abtippen.
Eine App, die ohne Internet nicht läuft, fällt auf der Baustelle regelmäßig aus. Kellerwohnungen, Neubaugebiete ohne Netz, ländliche Baustellen – Empfangslöcher sind im Handwerk Alltag, keine Ausnahme.
Die App speichert Stunden lokal auf dem Smartphone. Sobald wieder eine Verbindung besteht, synchronisiert sie automatisch. Das Team merkt nichts davon – die Daten sind trotzdem vollständig.
GPS macht das manuelle Starten und Stoppen überflüssig. Die App erkennt, wenn ein Mitarbeitender das Baustellengelände betritt, und startet die Zeiterfassung automatisch. Das klingt nach einem Detail – spart aber täglich vergessene Einstempelungen und Diskussionen am Monatsende.
Was rechtlich gilt: GPS zur Zeiterfassung ist erlaubt, wenn Mitarbeitende informiert sind (DSGVO, Art. 13) und der Betrieb die Daten nur für die Arbeitszeitdokumentation nutzt. Kontinuierliche Standortüberwachung außerhalb der Arbeitszeit ist nicht erlaubt. Für Betriebe ohne Betriebsrat lässt sich GPS-Zeiterfassung unkompliziert einführen, solange der Betrieb keine Dauerüberwachung einrichtet.
Kevin Gräve, Meister bei HC Elektro GmbH, Bendorf am Rhein: „Stundenzettel kennt hier niemand mehr." (Quelle: Elektropraktiker, 2024)
Der Monteur trägt Kabel. Tippen geht nicht. Per Spracheingabe erfasst er Materialien und Stunden – die App überträgt sie ins richtige Feld. Felix Drawer von Betz Technik bestätigt den Effekt: „Dafür müssen wir noch nicht mal etwas händisch schreiben, das funktioniert ganz einfach über Spracheingabe. Sind Material und Zeiten einmal erfasst, lassen wir uns die Auftragsabwicklung vom Kunden auf dem Tablet gegenzeichnen." (Elektropraktiker, 2025)
Ob Fahrzeiten als Arbeitszeit zählen, fragen viele Handwerksbetriebe. Die Antwort ist klar:
|
Situation |
Zählt als Arbeitszeit? |
|---|---|
|
Fahrt von der Firma zur Baustelle |
Ja |
|
Fahrt von Baustelle zu Baustelle |
Ja |
|
Fahrt von zuhause zur Baustelle (kein fester Betriebssitz als erster Anlaufpunkt) |
Ja [VERIFY: EuGH C-266/14 Tyco, Sep. 2015] |
|
Fahrt von zuhause zum Betrieb (normaler Arbeitsweg) |
Nein |
Eine App, die Fahrzeiten separat erfasst und dem richtigen Auftrag zuordnet, schützt den Betrieb im Streitfall. Und sie verhindert, dass fakturierbare Stunden einfach verschwinden.
Das Bundesarbeitsgericht hat im September 2022 entschieden: Arbeitgeber in Deutschland erfassen die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeitenden. [VERIFY: BAG, Az. 1 ABR 22/21, 13.09.2022] Das gilt für jeden Betrieb – unabhängig von der Größe.
Bereits 2019 stellte der Europäische Gerichtshof das europaweit fest. [VERIFY: EuGH, C-55/18, 14.05.2019] § 16 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) schreibt zusätzlich vor: Arbeitszeiten über acht Stunden täglich dokumentiert der Betrieb schriftlich.
Was das für Handwerksbetriebe bedeutet:
Wer noch keine Zeiterfassung führt, ist rechtlich angreifbar. Eine mobile App schützt besser als Papier – und ist im Streitfall sofort abrufbar.
Viele Betriebe scheitern nicht an der Technologie, sondern an der falschen Wahl:
Fehler 1: App ohne Offline-Betrieb kaufen Die App sieht gut aus – bis zur ersten Baustelle ohne Empfang. Dann fällt sie aus. Offline-Betrieb ist Grundanforderung, kein Bonus. Vor dem Kauf explizit nachfragen.
Fehler 2: App nur im Büro testen Wer die App am PC testet, merkt nicht, ob sie auf dem Smartphone in der Arbeitsjacke taugt. Testphase immer mit dem Team auf der Baustelle durchführen.
Fehler 3: Keine Auftragszuordnung Stunden erfassen reicht nicht. Ohne direkte Zuordnung zum Auftrag sortiert die Buchhaltung nachträglich – und verliert dabei genau die Zeit, die die App sparen sollte.
Fehler 4: Zu viele Funktionen auf einmal freischalten Wer das Team mit einem kompletten System überfordert, scheitert an der Einführung. Andreas Geiger, IT-Leiter der Noz Elektrotechnik GmbH: „Wir haben immer nur die Funktionen freigeschaltet, die mithilfe von Schulungen erlernt und umgestellt waren." (Quelle: Elektropraktiker, 2024) Das Ergebnis: reibungslose Umstellung bei über 90 Mitarbeitenden.
Die beste App nützt nichts, wenn das Team sie nicht nutzt. Drei Schritte haben sich bewährt:
Tim Kaiser, kaufmännischer Geschäftsführer bei Betz Technik: „Nicht nur die mobilen Apps haben wir im Entscheidungsprozess sehr positiv bewertet – bei PDS hatten wir stets das Gefühl, dass die Software permanent im Sinne der Kundschaft weiterentwickelt wird." (Quelle: Elektropraktiker, 2025)
Eine Zeiterfassungs-App für Handwerksbetriebe steht und fällt mit ihrer Mobiltauglichkeit. Offline-Betrieb, GPS-Erkennung und Auftragszuordnung direkt vor Ort sind keine Extras – sie sind die Mindestanforderung. Wer das sicherstellt, erfasst Stunden vollständig, rechnet korrekt ab und schützt den Betrieb rechtlich. Die Einführung klappt, wenn das Team von Beginn an dabei ist und die App einfach genug ist, dass niemand sie erklären muss.
Du brauchst eine App mit echtem Offline-Betrieb: Stunden werden lokal auf dem Smartphone gespeichert und automatisch synchronisiert, sobald wieder eine Verbindung besteht. Nicht jede App bietet das – vor dem Kauf explizit nachfragen und in einem Empfangsloch testen.
Was muss eine mobile Zeiterfassungs-App für Handwerker können?Sieben Funktionen machen den Unterschied: Offline-Betrieb, Ein-Tipp-Erfassung per Smartphone, direkte Auftragszuordnung vor Ort, GPS-Erkennung, Fahrzeiterfassung, Sprach- oder Tablet-Eingabe und Echtzeit-Auswertung für die Zentrale. Ohne Offline-Betrieb fällt alles andere auf der Baustelle weg.
Bin ich als Handwerksbetrieb zur Zeiterfassung verpflichtet?Ja. Das Bundesarbeitsgericht entschied am 13. September 2022 (Az. 1 ABR 22/21): Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten erfassen – unabhängig von der Betriebsgröße. Das gilt für jeden Handwerksbetrieb, auch ohne Betriebsrat.
Ist GPS-Zeiterfassung im Handwerk erlaubt?Ja. GPS zur Zeiterfassung ist erlaubt, wenn Mitarbeitende informiert sind (DSGVO, Art. 13) und der Betrieb die Daten nur für die Arbeitszeitdokumentation nutzt. Kontinuierliche Standortüberwachung außerhalb der Arbeitszeit ist nicht erlaubt.
Wie führe ich eine Zeiterfassungs-App im Team ein?Drei Schritte haben sich bewährt: Chef testet die App eine Woche allein auf der Baustelle. Dann Demo für das Team in unter zwei Minuten – kein Handbuch, keine Präsentation. In den ersten vier Wochen Fragen sofort beantworten, nicht vertrösten.
Quellen: - Müller, G. (2023): Wie profitiert das Handwerk von Cloudsoftware? In: Elektropraktiker, Jg. 77, H. 7, S. 564–565. - Müller, N. (2024): Von Anfang an papierlos arbeiten. In: Elektropraktiker, Jg. 78, H. 1, S. 79. - Weirich, N. (2024): Wie eine ERP-Software Prozesse vereinfacht. In: Elektropraktiker, Jg. 78, H. 8, S. 50. - (2025): Erfolgsfaktor ERP-Software – Wie Betz Technik durch Digitalisierung Zeit und Aufwand spart. In: Elektropraktiker, Jg. 79, H. 5, S. 52–53. - BAG, Urteil 13.09.2022, Az. 1 ABR 22/21 [VERIFY vor Publish] - EuGH, Urteil 14.05.2019, C-55/18 (CCOO / Deutsche Bank) [VERIFY vor Publish] - EuGH, Urteil 10.09.2015, C-266/14 (Tyco – Fahrzeit) [VERIFY vor Publish]